Brauche ich das wirklich?

von Maja Prée

Denken wir manchmal noch an unsere Kindheit und die Weihnachtszeit? Damals schrieben wir noch Wunschzettel. Da gab es noch Wünsche, deren Erfüllung nicht immer selbstverständlich war.

Wie war das früher?

In dieser Zeit bekam ich ein dickes Märchenbuch geschenkt. Als ausgesprochene Leseratte verschlang ich es sofort, las auch das Märchen vom „Fischer und seiner Frau“. Es ist mir nicht mehr bewusst, was ich über des Fischers Frau dachte. Jedoch tat mir der Fischer leid, der den Wünschen seiner Frau folgend, vom Butt den er gefangen und wieder frei gelassen hatte, immer mehr einforderte.
Viele Jahre später gab es die Werbung: „mein Haus, mein Auto, mein Boot“. Das Übertrumpfen von anderen – gang und gäbe. Die Werbung in den Medien wurde gezielt eingesetzt um uns Menschen zu suggerieren, was wir alles noch brauchen können.

Gefühl oder Verstand, wer gewinnt?

So wie des Fischers Frau sich immer mehr wünscht – an Lebensstandard und Wohlstand – wie aber auch an gesellschaftlicher Anerkennung, läuft es doch oftmals auch in unserem Leben? Im Märchen verändert sich das Meer mit den steigenden Wünschen bis hin zu tiefschwarz. Wir tragen mit unseren Wünschen und Verbräuchen zu einem steigenden Verbrauch an Ressourcen bei.
Können wir hier eine Analogie sehen zu unserer zunehmenden Klimaerwärmung und den Umweltkatastrophen? Unsere Wünsche, sprich unser Lebensstandard in den industriell gut entwickelten Ländern steigt und steigt. Verzichten fällt schwer. Nur ein kleines Beispiel: die Autos werden immer größer. Gegen eine der Möglichkeiten, einen Teil des CO2 – Ausstoßes über ein Tempolimit zu senken, wehren wir uns vehement. Ich weiß, auch ich schaue nicht sehr erfreut auf diese Diskussion. Als manchmaliger Langstrecken-Autofahrer bin ich froh, auf der Autobahn das Gaspedal auch mal durchtreten zu können. Ja, es ist mir bekannt, wie wenig das an gewonnener Zeit letztendlich bringt und wie potenziell dazu der Spritverbrauch steigt.

Welche Möglichkeiten zum Verzicht haben wir, ohne dass es uns allzu sehr weh tut?
Das ist eine Aufgabe der wir uns stellen müssen. Doch seien wir ehrlich, die Kurve kriegen wir nur alle gemeinsam. Industrie, Politik und wir mündigen Bürger müssen an einem Strang ziehen und etwas tun.

Weihnachten – das Fest des Schenkens

Weihnachten ist das Fest des Schenkens. Wie lange suchen wir bereits im Vorfeld nach einem originellen Geschenk für unsere Liebsten. In den vergangenen Jahren ist bei mir mehr der Gedanke in den Vordergrund getreten: „Wird das gebraucht oder wird es nur zum Staubfänger oder ungeliebten Platzbesetzer? Wird es dann in einem weiteren Karton auf dem Boden verstaut und verstaubt dort nur?“ Auch ich kaufe ab und zu Dinge, die ich eigentlich nicht brauche. Es ist nicht immer leicht, der Versuchung zu widerstehen. Dazu weiß die Werbeindustrie zu genau, welche Taste sie drücken muss, um uns zum Kauf zu verleiten.
Es ist die Entscheidung eines jeden selbst, mit Herz, Verstand und Vernunft zu schenken.
In diesem Sinne wünsche ich allen ein friedliches Weihnachtsfest mit Erinnerung an alte Bräuche, gemeinsamer Zeit und sinnvollem Schenken.

Eine Buchempfehlung

In unserer Wochenendbeilage der Zeitung gab es einen Lesertipp: „Ich brauche nichts mehr“ von Ines Maria Eckermann. Im Kommentar steht zu lesen, dass wir mit der Erfüllung von Wünschen stets neue Wünsche entwickeln. Die Gier nach etwas neuem ist typisch für uns Menschen, das wussten schon die alten Griechen. Hier steht aber auch zu lesen, dass unsere Gehirn Belohnung auch beim Lernen von etwas Neuem empfindet. Eine neue Sprache oder ein Musikinstrument. In dem Buch sollen viele Tipps zu finden sein, wie ein glückliches Leben mit weniger Konsum aussehen kann.